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Homeschooling Biologie-Projekt: Von der Raupe zum Schmetterling

Diesen Sommer haben wir uns alle im Wohnwagen am See erholt und auch mal vom Schul- und Lernalltag abgeschaltet.
Aber Lernen findet ja nicht nur mit Büchern und dem Studieren auf Prüfungen statt – wer sich in meinem Homeschool-Blog ein bisschen umgesehen hat, weiß, dass für uns Lernen etwas Aufregendes, Schönes, Interessantes mit Erfahrungswert darstellt.

Und so haben wir uns für diesen Sommer ein kleines Projekt ausgedacht, dass nicht nur für Lola interessant war, sondern auch ihre kleineren Geschwister und uns Eltern fasziniert hat.
Die Idee stammte aus einer Erinnerung an Lolas Geburtsland in Lateinamerika: Dort konnten wir immer wieder die wunderschönen Raupen und einzigartigen Kokons des Monarchenfalters bewundern. Manchmal bin ich mit den Kindern (eher Lola, die anderen waren noch zu klein), in der Früh stundenlang auf einer Picknickdecke im Garten gesessen und wir haben gewartet, bis sich die ursprünglich grünen Kokons schwarz färbten und endlich der Schmetterling herausschlüpfte. Dieser Falter ist eine Sache für sich, über seine einzigartige Lebensweise könnt ihr zum Beispiel hier mehr nachlesen.

Nachdem das alles nun doch schon recht lang her ist und die Kinder älter sind und die Dinge auch mit anderen Augen sehen, habe ich mir überlegt, dieses Wunder der Natur hier noch einmal zu bestaunen.

Im Internet wurde ich kurzerhand fündig und bestellte ein Schmetterlings-Zuchtset von Insect Lore. Die Raupen wurden extra bestellt. Aus ihnen sollten Distelfalter hervorgehen, die in Englisch den hübschen Namen Painted Lady tragen.

Der Versand ging leider nicht so schnell wie erwartet, daher waren die Raupen, als sie am 9. August ankamen, schon dick und fett.

Trotzdem haben sie noch herumgewurlt und kräftig von dem im Behälter mitgelieferten Futter gefressen.

Am 10.8. waren schon zwei Raupen nach oben geklettert und hingen in der Form eines J verkehrt herum an der Decke des Behälters. Am Morgen des darauffolgenden Tages hatte sich sogar die erste Raupe verpuppt.
Sie war grüngrau und hatte funkelnde goldene Erhebungen, wie kleine Dornen. Die zweite wurde dauernd von einer anderen Raupe angestuppst, was ihr anscheinend nicht so gefiel… aber am Abend hatte auch sie sich erfolgreich verpuppt. Eine Raupe wollte so gar nicht hinaufklettern. Nachdem sie aufgehört hatte, sich zu bewegen, dachten wir schon, sie sei eingegangen. Aber dann hat sie sich unten am Boden des Bechers verpuppt, mitten im Futter. Am darauffolgenden Samstag, dem 12. August, waren alle Raupen sicher in ihren Kokons verpackt. Unter ihnen lagen kleine Gebilde, die wie Raupenköpfe aussahen, Lola und ihre Geschwister erschraken zunächst, aber wir lasen schnell nach: es war nur die übriggebliebene Haut nach der letzten von insgesamt 4-5 Häutungen.

Eine Raupe schien sehr viel Seidengespinst produziert zu haben, was – wie wir bei Insect Lore nachlesen konnten – zu Problemen beim Schlüpfen führen kann. Außerdem hing dieser Kokon nicht mehr mit dem Hinterteil am Deckel, sonder eher in einer Art Hängematte in seinem Gespinst. Und das Futter um Die Raupe am Becherboden fing an zu schimmeln… Wir machten uns ein bisschen Sorgen um unsere Brut.

Drei Tage nach der Verpuppung sollte man also den Deckel mit Hilfe eines Kartongestells aufrecht mit den Raupen in das Insektenhaus (ein Netz in Form eines Zylinders mit Reißverschluss oben) stellen. Davor sollte man die Puppen vorsichtig mit einem Wattestäbchen von einem Überschuss an Seidenfäden befreien. Wir versuchten das, so gut es ging, aber die Puppe, die halb heruntergefallen war, war sehr eingesponnen und den Puppen schien die Störung sehr unangenehm zu sein – sie zitterten und wanden sich. Also ließen wir es wieder. Der Deckel kam nun ins Insektenhaus, das funktionierte gut.

Die „Schimmelpuppe“ wollte Lola auf ein sauberes Taschentuch legen, aber auch sie wehrte sich derart, dass wir damit doch noch 2 Tage warteten. Danach betteten wir sie in ein kleineres Insektenhaus.

Am 20. August war es soweit: Nach einem furchtbaren Unwetter am Abend zuvor (wir dachten, das Vorzelt würde wegfliegen – was anderen Campern auch tatsächlich passierte!) schlüpfte in der Früh der erste Schmetterling. Wir scharten uns alle aufgeregt um das kleine Insektenhaus, in den wir die Puppe, die sich so gut eingsponnen hatte, gelegt hatten. Und dann sahen wir dem kleinen Kämpfer zu, wie er versuchte, sich herauszuwinden.

Irgendwann sahen wir ein, dass das Ganze viel zu lang dauerte. Schnell nachgegoogelt und vorsichtig betupften wir den Kokon, der noch am Hinterteil klebte, mit einem Pinsel mit Wasser. Danach ließ er sich ganz leicht mit einer sauberen Pinzette herunterziehen. Leider war es für den armen Kerl schon zu spät: Seine Flügel konnten sich nicht mehr entfalten und blieben ganz verknotet. Die Kinder nannten ihr liebevoll „Wuzel“.

Die Aufregung war groß, als ein Anruf aus Salzburg kam: Papa hatte sich bei einem Radunfall zwei Rippen gebrochen. Also wieder ab nach Salzburg. Die Raupen kamen mit, auch Wuzel in seinem kleinen Häuschen.

Der Rest der Schmetterlinge schlüpfte dann ohne Probleme, auch „Moldy“ (der im Schimmel gelegen war) konnte man nicht mehr von seinen Kameraden unterscheiden.

Wir legten eine Orangenspalte und ein Wattepad mit Nektar in das Insektenhaus und sahen den Schmetterlingen einen Tag lang zu. Es war sehr interessant, die Schmetterlinge so genau beobachten zu können. Sogar Wuzel krabbelte im Insektenhaus herum und trank Nektar. Der schönste Moment war, als ich am Morgen die Jalousie im Kinderzimmer öffnete und das Sonnenlicht durch das Fenster auf die Schmetterlinge fiel. Alle öffneten gleichzeitig ihre Flügel für ein ausgiebiges Sonnenbad – es war wie eine Art Sonnenaufgang!

Am nächsten Tag ließen wir die Schmetterlinge frei. Jeder (außer Papa) ließ einen Schmetterling auf die Hand krabbeln, hob ihn vorsichtig aus dem Haus und wartete, bis sich das kleine Wunder in die Lüfte erhob und davon flog. Es war ein interessantes, Lehrreiches und faszinierendes Projekt, nicht nur für Lolas Hausunterricht, sonder für die ganze Familie!

Großglockner Hochalpenstraße – Pasterze

Unsere 2-Tages-Exkursion Anfang dieser Woche führte uns über die Großglockner Hochalpenstraße in die Hohen Tauern zum Fuß des Großglockners, des höchsten Berges Österreichs. Am ersten Tag genossen wir die Fahrt auf der Großglockner Hochalpenstraße, besuchten ein Museum und machten an einigen der sehr interessanten Stationen halt. Nachdem wir in die Hütte „eingechsckt“ hatten, begingen wir noch den Gamsgrubenweg, der körperlich nicht anstrengend aber sehr belohnend ist. Bevor wir umkehrten, sahen wir sogar einige Murmeltiere!

Nach einem üppigen Frühstück (was gut war, da wir uns aus Kostengründen am Vorabend mit mitgebrachter Jause begnüngt hatten), gings über Staumauern und Hängebrücken den Pasterzenweg entlang zum Pasterzengletscher. Der Weg war länger und anstrengender als wir dachten, aber als wir direkt an der Pasterze standen, waren alle Mühen vergessen: Sowas erlebt man nicht alle Tage! Leider hatte die Gletscherbahn ein paar Tage zuvor geschlossen, was Lola gar nicht glauben wollte. Also mussten wir den steilen Weg hinauf zur FranzJosefsHöhe auch noch zu Fuß bewältigen. Oben angekommen, trank Lola mal ein paar Liter Wasser!
Die Wanderung war unheimlich lohnend und auch Lola war total glücklich und stolz. Die Landschaft, fand sie, sah aus wie aus einem Märchen.
Gelernt hat sie natürlich auch viel, über Klimazonen, Fauna und Flora und die Alpen, sozusagen fächerübergreifend für den diesjährigen Stoff in Geographie und Biologie. Sie hat sich mit Informationsblättern und Vorübungen (die ich im Internet gefunden hatte) vorbereitet und es war toll, wie schön wir all das nun hands-on erfahren und umsetzen konnten.
Ganz abgesehen davon, dass es ein wunderbarer Mutter-Tochter-Ausflug war!