Erneut ein Leserbrief

Wieder einmal fand ich beim Frühstückskaffee einen Artikel in den Salzburg Nachrichten über die „armen Kinder“, die im häuslichen Unterricht darben müssen. Das konnte ich einfach nicht unkommentiert lassen. Hier der Artikel:

Im Folgenden der Leserbief, so, wie ich ihn an die Redaktion geschickt habe:

Sehr geehrte Redaktion der SN,

In Bezug auf Ihren Artikel „Österreichs vergessene Schüler“ vom 30. 1. 2019 möchte ich Folgendes kommentieren:

Wir haben unsere Tochter nach der 2. Klasse Gymnasium aus der Schule genommen und sie hat die Zeit bis zum Ende der 4. Klasse im häuslichen Unterricht verbracht. Unsere Gründe dafür waren sehr vielschichtig. Keiner davon hatte etwas mit religiösen Weltanschauungen, politischem Extremismus oder Reinheitsfanatismus zu tun. Es war für sie zu der Zeit einfach nicht zielführend – bildungsmäßig sowie persönlich – die Regelschule zu besuchen.

Leider geistert die Idee nach wie vor herum, dass Kinder im häuslichen Unterricht von der Außenwelt abgeschnitten sind, keinen sozialen Kontakt haben und keine anderen Sichtweisen kennenlernen. Mit ein bisschen Recherche wird schnell klar, dass den meisten Eltern von Homeschoolern gerade der Sozialkontakt extrem wichtig ist – wie es auch bei uns der Fall war – und hier alles unternommen wird, um diesen den Kindern zu ermöglichen. Nicht erzwungenermaßen jeden Tag mit den gleichen Mitschülern, sondern auf vielfältige Weise.

Ich verstehe die Besorgnis, dass Sekten oder demokratiefeindliche Gruppierungen den Hausunterricht missbrauchen könnten. Ich glaube aber nicht, dass das Problem daran der häusliche Unterricht selber ist. Solche Gruppierungen tendieren dazu, ihre eigenen Lerngruppen oder Schulen zu bilden. Eltern, die Ihre Kinder ganz oder für einige Jahre zu Hause lernen lassen, fallen meine ich nicht in diese Gruppe.

Zu den Freilernern möchte ich anmerken, dass hier natürlich eine Überprüfung schwer möglich ist. Wenn Sie aber schreiben, dass bei Besuchen durch das Jugendamt meist ein total engagiertes Elternhaus vorgefunden wird, das die Kinder unterstützt, sagt Ihnen das dann nichts? Vielleicht sind auch diese Eltern nicht allesamt Esoteriker oder religiöse Fanatiker.

Auch kann ich mit der Verallgemeinerung „es handelt sich um Eltern, die selbst schlechte Erfahrungen gemacht haben und die Illusion aufrechterhalten, es gibt eine böse, kalte, technokratische Welt da draußen“ nicht viel anfangen. Wenn ich auf meine eigene Schullaufbahn zurückblicke, bin im Großen und Ganzen gut durch die Schule gekommen, habe erfolgreich maturiert und mein Leben lang immer gerne gelernt. Auch war unser Hintergedanke nicht, unsere Tochter vor der „bösen kalten Welt da draußen“ zu schützen. In die Schachtel „Links, Rechts, Esoteriker oder Reinheitsfanatiker“ lasse ich mich schon gar nicht gerne bugsieren.

Ich gebe Frau S., Volksschuldirektorin im Ruhestand, recht, dass die Externistenprüfungen, wenn sie gesetzeskonform durchgeführt werden (und das wurden sie offensichtlich in unserem Fall, inklusive genauer Protokolle) eine Zumutung für das Kind sind. Es wundert mich nicht, zu hören, dass Eltern ihren Kindern diese Prüfungen erleichtern möchten („Prüfungstourismus“). Es wäre dringend nötig, dieses Prüfungssystem für Externisten zu überholen. Ein Vorschlag wäre zum Beispiel, dass die Kinder in jedem Fach ein Portfolio anlegen, das sie dann in einem Prüfungsgespräch erläutern, und dazu vielleicht noch ein paar Fragen gestellt werden, um zu sehen, ob sie den Stoff verstanden haben. So könnte die Prüfungsperson einen guten Einblick bekommen, was das Kind das Jahr über gemacht hat und nicht nur einen Wissenseindruck von einem Tag bekommen, an dem viele Schüler auch noch mit horrender Aufgeregtheit kämpfen müssen. Wenn die Art, wie geprüft wird, dem heutigen Standard angepasst wird, erübrigt es sich auch, dass, wie im Artikel erwähnt, Kinder durch die Prüfungen geschleust werden, ohne den Stoff wirklich zu beherrschen.

Im Artikel wird auch angeführt, dass die Tendenz zum häuslichen Unterricht steigend ist. Meiner Meinung nach ist der Hauptgrund dafür nicht in einer Radikalisierung der Eltern zu suchen, sondern einfach nur darin, dass mehr und mehr Eltern die Situation unseres Bildungssystems, das leider an allen Ecken und Enden hinkt, nicht mehr hinnehmen wollen und sich nach Alternativen für ihre Kinder umsehen. Die allermeisten Lehrer sind kompetent und engagiert, das System Schule passt aber einfach nicht zu jeder Zeit auf jedes Kind.Für uns hat der Ausflug in den häuslichen Unterricht einen positiven Eindruck hinterlassen, sie sollte den Eltern weiterhin als Alternative möglich sein. Unsere Tochter besucht mittlerweile die Oberstufe in einer guten Schule, in der ihre Interessen optimal gefördert werden können, hat einen großen, vielfältigen Freundeskreis, gute Noten und ist eine interessierte und bestens sozialisierte Schülerin.

Der Text war offensichtlich zu lang für einen Leserbrief (meine Texte werden immer etwas lang…), er wurde verkürzt abgedruckt:

Interessant ist, dass gerade meine Gedanken zum Thema Externistenprüfungen und Prüfungstourismus herausgenommen wurden, wo das ja die Headline war. Trotzdem fand ich es positiv, dass er gleich ein paar Tage darauf gedruckt wurde!

Zu Gast im ORF

Was sich nicht alles so ergibt, wenn man sein Kind zu Hause unterrichtet! Letzte Woche kam ein e-Mail mit einer Einladung zur Radiosendung „Mittagszeit“ zum Thema ‚Häuslicher Unterricht‘ von Radio Salzburg in meine Inbox geflattert.

Hier der Link zum Nachhören!

Link entfernt – war leider nur 7 Tage lang aktuell.

Ist das Schulsystem an allem schuld?

Seit wir vor sechs Jahren mit unseren Kindern wieder in die „erste Welt“ übersiedelt sind, sehen wir uns oft mit Erwartungen und Einstellungen konfrontiert, die wir in unserem Alltag nur am Rande erlebt haben, die in unserem Umfeld in Zentralamerika einen sehr viel geringeren Stellenwert hatten.

Was mir zum Beispiel immer wieder auffällt, ist, dass Kinder hier sich sehr oft an anderen messen, dass es extrem wichtig ist, besser zu sein, als die anderen. Es wird erwartet, dass Leistungen, Verhaltensweisen und Besitztümer vergleichbar sind und es wird ununterbrochen verglichen.

Natürlich spielt hier unser Schulsystem mit hinein, es behandelt alle Schüler gleich, möchte das zumindest. Es setzt Normen und „Standards“. Es gibt „Kompetenzen“ vor. Anhand eines Punktesystems ist sehr leicht erkennbar, wer mit diesem System besser zurechtkommt, wer „besser ist“.

Aber ich bin trotzdem nicht der Meinung, dass es in der Wurzel nur unser Schulsystem ist, an dem es so hakt. Ich glaube, dass wir uns noch so bemühen können, ein geeigneteres System zu finden und doch keinen Erfolg haben werden, wenn sich an dieser Grundeinstellung des „Immer-Besser-Sein-Müssens“ nicht etwas ändert.

Mittlerweile glaube ich, dahintergekommen zu sein, dass diese Einstellung nicht in der Klassengemeinschaft, in der Schule entsteht, obwohl das von vielen Eltern, die ich kenne, so gesehen und lamentiert wird. Ich habe gemerkt, dass diese Einstellung sehr oft aus dem Familienverband kommt. Ich konnte beobachten, wie Kinder von einer Gruppe, die sich in der Klasse gebildet hat, mal ausgeschlossen werden und dann wieder dabei sein dürfen. Je nachdem, ob sie gerade dabei sind oder nicht, sind sie entweder todtraurig, oder sie machen fleißig dabei mit, andere auszuschließen.
Interessanterweise verhalten sich oft genau die Eltern, die diese Entwicklungen bedauern, unter ähnlichen Umständen genauso.

Ich möchte dazu kurz ein Erlebnis schildern, dass mir dahingehend die Augen geöffnet hat:
Bei einem Elternabend in der Schule wurde darum gebeten, dass sich Mütter oder Väter melden, die mit einer Gruppe von ca. 10 Schülern einen Nachmittag verbringen und Aktivitäten mit ihnen bearbeiten. Es handelte sich um das Fach Religion. Die erste Idee war, die 10 Kinder auf zwei Gruppen aufzuteilen. Nun gibt es in der Klasse eine solche eingefahrene Gruppe von Kindern. Siehe da, genau deren Eltern wollten ihre Kinder in einer Gruppe haben. Als noch eine weitere Mutter bat, ihr Kind dazuzugeben,  hörte ich allen Ernstes eine Mutter sagen: „Ja aber passt sie dann schon dazu in unserer Gruppe?“ Bevor das Ganze in einen Machtkampf ausartete, schritt Gottseidank die Lehrerin ein und schlug vor, alle Kinder gemeinsam zu nehmen und den Nachmittag mit ein paar Eltern in einer Wohnung zu organisieren, die groß genug war.

Ich glaube, dass die Kinder auch deshalb einem so großen Druck ausgesetzt sind, weil sie ihn von zu Hause so mitbekommen. Im Endeffekt vergleichen sie sich dann nicht nur mit den anderen, sondern stellen so hohe Ansprüche an sich selbst, dass sie gefährdet sind, daran zerbrechen. Sie sind weder für die anderen noch für sich selbst gut genug.

Auch hier ein Beispiel dazu: Die Tochter einer Freundin hatte sich zum Eignungstest an einem Sportgymnasium angemeldet. Ein paar andere Kinder aus der gleichen Klasse waren beim gleichen Test dabei. Das Kind der besagte Freundin brach nach einigen Etappen den Test ab und sagte, sie wolle den Test nicht zu Ende führen, weil sie meinte, eine Schulkollegin würde sie auslachen, wenn sie etwas falsch machen würde oder den Test nicht bestünde. Ob die Schulkollegin das wirklich gemacht hätte, sei dahingestellt. Traurig ist diese Angst der Schülerin in jedem Fall. Der Mutter wurde später bestätigt, dass ihr Kind „gut unterwegs“ war und den Eignungstest wahrscheinlich bestanden hätte.

In die gleiche Kategorie fällt auch, dass die Kinder in Lolas Klasse einen riesen Stress hatten, dass ihre Klassenkameraden herausfinden könnten, wenn sie eine schlechte Note auf einen Test oder eine Schularbeit bekommen hatten. Die Noten wurden so gut wie möglich verheimlicht und ich durfte auch nicht mit anderen Eltern über die Noten ihrer Kinder sprechen, weil es dann sein hätte können, dass herauskommt, dass meine Tochter mir diese Noten gesagt hat. Anstatt sich gegenseitig zu trösten und zu unterstützen, wurden Kinder mit schlechten Noten oft ausgelacht.

Um zum Schulsystem und meinem letzten Beitrag zurückzukommen: Als ich die Abschaffung der Direkten Leistungsvorlage mit Bekannten besprach, wurde mir erzählt, dass es bei der Einschulung ihrer Tochter nur eine Klasse gegeben hatte, die mithilfe der direkten Leistungsvorlage beurteilt. Die Lehrerin ist als „alternativ“ bekannt und Eltern, die sich so jemanden wünschen, sollten ihre Kinder für diese Klasse anmelden. Meine Bekannten hatten es sich überlegt, aber abgesehen davon, dass die beste Freundin ihrer Tochter nicht in diese Klasse gehen würde, meinten sie auch, ihre Tochter wolle auch Noten bekommen, damit sie sich mit ihrer großen Schwester vergleichen könne und auch ihre Einser herzeigen könne. Meine Frage: Was, wenn sie nun mit ihren sechs oder sieben Jahren keine Einser vorzeigen kann? Oder wenn die ältere Schwester mal den Kampf verliert und nicht mehr nur Einser nach Hause bringt?

Zu dem zunehmenden Leistungsdruck habe ich einen interessanten Artikel gefunden, hier der Link dazu.

Ein amüsantes Detail am Rande: Der Markenwahn, der sogar schon in der Volksschule ausgebrochen ist (iphone vs. Samsung, Markenkleidung wird dann auch in Lolas Alter extrem wichtig), ging mir einmal schon so auf die Nerven, dass ich Lola gesagt habe, ich würde mir in dem Billigladen um die Ecke eine Stofftasche kaufen, das Label ausschneiden und auf ein T-Shirt applizieren, mit dem ich dann den Levis, Nike und wer weiß, wie sie noch alle heißen – Trägern etwas entgegenhalten könnte.  Lola wäre allein bei der Vorstellung am liebsten vor Scham im Boden versunken, aber wir haben trotzdem darüber gelacht. Ich überlege es immer noch… 🙂

Ganz im Ernst: Was hier dann leider auf der Strecke bleibt, ist, dass wir unseren Kindern beibringen, dass sie nicht immer die Besten, die Tollsten, die Reichsten sind und auch gar nicht sein müssen. Dass wir Ihnen zeigen und vorleben, was wirklich wichtig ist im (Zusammen-)Leben. Jahrzehntelang wurde Individualität gepredigt, das wichtigste ist, dass du anders bist als die anderen. Dass du deinen eigenen Weg verfolgst, koste es, was es wolle. Dass man dann auch die anderen so annehmen muss, wie sie sind, kommt leider oft zu kurz. Die so gezüchteten mini-Individualisten gehen dann auch „über Leichen“ um ihr Ziel zu erreichen. Es kommt zu einer Verschiebung der Prioritäten, Zusammenarbeit und Mitgefühl treten in den Hintergrund, jeder einzelne muss für sich der Erfolgreichste sein. Auch der Umgang miteinander leidet natürlich, wenn ich immer mich selbst voranstelle.
Wenn ich sehe, wie sehr sich Teenager in anderen Ländern für gemeinschaftliche Ziele einsetzen, bin ich darüber enttäuscht, welche Prioritäten die Kinder in unserem Land und der 1. Welt überhaupt entwickeln. Das ist nicht nur eine traurige, sondern meiner Meinung nach auch eine gefährliche Entwicklung. Wenn wir uns die Welt ansehen, die wir unseren Kindern hinterlassen, sollte unsere oberste Priorität sein, sie mit den Werkzeugen auszustatten, in dieser Welt gemeinsam nach Lösungen suchen zu können und diese mit vereinten Kräften umzusetzen.

Wie denkt ihr über diese Entwicklung unserer Gesellschaft? Ich freue mich über jeden (ernst gemeinten) Kommentar!

Neue Wege

Seit ein paar Tagen ist es fix!
Lola hat die Eignungsprüfungen an ihre Wunschschule für Multimedia bestanden und einen fixen Schulplatz zugewiesen bekommen!
Es war ihr Traum, in diese Schule aufgenommen zu werden. Nach zwei Jahren Homeschooling wird sie also ihren Weg außerhalb der eigenen vier Wände weitergehen. Wir könnten nicht stolzer sein auf sie, Lola hat zielstrebig darauf hingearbeitet, ihr Talent eingesetzt und ihren Traum Wirklichkeit werden lassen. Es wird wohl ruhiger werden hier zu Hause, was natürlich nicht nur Nachteile hat! 😉

Ich finde es wunderschön, dass Lola nach den zwei Jahren so weit ist, dass sie wieder in eine Schule gehen möchte. Dass sie das Vertrauen in das System „Schule“, auch wenn es an vielen Ecken und Enden krankt, nicht verloren hat und das Angebot, das es hier bei uns gibt, einer kostenfreien umfassenden Allgemeinausbildung zusammen mit einer Berufsausbildung in dem Bereich, der sie so sehr interessiert, zu schätzen weiß. 

Nun geht es noch ans Eingemachte, die Prüfungen für dieses Schuljahr und ein gutes Externistenzeugnis.

Wir sind alle schon sehr gespannt, was Lola ab kommendem Herbst erwartet und freuen uns mit ihr!

 

Die Weiße Rose – ein Theaterabend

Dieses Jahr stehen bei uns im häuslichen Unterricht in Geschichte unter anderem die Zwischenkriegszeit, der Nationalsozialismus und der 2. Weltkrieg auf dem Programm.
Nun sind das nicht gerade erhebende Themen, aber wohl sehr wichtige. Ich bin überhaupt der Meinung, dass Geschichte und Politische Bildung eines der wichtigsten Schulfächer ist und diesem Bereich mehr Gewicht gegeben werden sollte. Im Homeschooling lege ich Wert darauf, diese Themen eingehend zu behandeln und muss sagen, dass auch mir die Auffrischung gut tut.

Da sich Lola im Fach Geschichte schwer getan hat, bat sie mich, ihr beim Studium etwas mehr unter die Arme zu greifen. So sitzen wir nun zweimal wöchentlich zusammen und gehen die Themen gemeinsam durch.
Wie bei den meisten Lerninhalten gibt es auch hierzu viel Anschauungsmaterial in unserer Umgebung. Die Salzburger Nachrichten bringen dieses Jahr eine Reihe zum Thema  „100 Jahre 1. Republik“. Als Abonnenten kommen wir in den Genuss, die ganzseitigen Berichte – jede Woche wird an zwei Tagen ein Jahr vorgestellt – mitzuverfolgen.
Im Internet haben wir uns Filme aus den Goldenen Zwanzigern, den Charleston-Tanz, Reden von Hitler und natürlich Szenen aus „The Dictator“ von Charlie Chaplin angesehen. Lola liest für Deutsch als eines der vier Bücher dieses Jahr fächerübergreifend das „Tagebuch der Anne Frank“.
Nun sind wir im Hausunterricht beim Kapitel „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ angelangt.

Seit einigen Monaten hat das Landestheater Salzburg das Stück „Die Weiße Rose“ im Spielplan. Das bot sich natürlich wunderbar für einen gemeinsamen Theaterbesuch an.

Und so saßen wir vor ein paar Tagen in einem prunkvoll ausgestatteten Saal des Landestheaters – wir ergatterten durch den Familienpass verbilligte Sitze am Balkon – und tauchten in die Welt der Geschwister Scholl und ihrer Mitstreiter ein.

Die Vorstellung war wirklich gelungen. Wir fanden die Inszenierung sehr gut, es war für jugendliche leicht verständlich, hatte viel Gegenwartsbezug und die schauspielerischen Leistungen der Akteure waren hervorragend. Auch das Bühnenbild beeindruckte uns sehr.  Bei der Schlussszene war ich nicht die einzige, die den Tränen nahe war. (Sogar Janina Raspe, die Schauspielerin, die Sophie Scholl spielte, hatte bei der Verbeugung feuchte Augen!)

Alles in Allem ein toller Theaterabend, der das Thema abrundete und uns beide sehr beeindruckt hat.

Hier noch der Trailer zur Inszenierung der „Weßen Rose“ im Landestheater.

Verbot für Hausunterricht? Ein Leserbrief

Kürzlich las ich in den Salzburger Nachrichten folgenden Bericht:

Ich hatte mir den Bericht über die Weinbergschule angesehen (hier der Link zur Dokumentation „Am Schauplatz, Die Kinder vom Zachhiesenhof“ und  war einigermaßen empört über die Art, in der der häusliche Unterricht mit der an der Weinbergschule betriebenen Unterrichtsform in Verbindung gebracht wurde.  Daher entschloss ich mich dazu, folgenden Leserbrief an die SN zu schicken:

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
Im Folgenden schicke ich Ihnen einen Leserbrief in Bezug auf den Artikel „Verbot für Hausunterricht?“ vom Samstag, 2. Dezember 2017.
 
Sehr geehrte Redaktion der SN,
Ihr Artikel „Verbot für Hausunterricht?“ vom Samstag, 2. Dezember 2017 und der kürzlich im Fernsehen gezeigte Bericht über eine private Schule haben mich zu folgender Stellungnahme veranlasst.
Hier wird eine Schule, der das Bildungsministerium das Öffentlichkeitsrecht zugesprochen hat, dazu benützt, den häuslichen Unterricht infrage zu stellen. Die Weinbergschule in Seekirchen verwendet, wie berichtet, Bildungs- und Erziehungsmethoden, die sehr umstritten sind und sektenhafte Züge zeigen. Sie ist in ein System eingebunden, das ehemalige Mitglieder als grauenhaft beschreiben.
Wie schlimm die Situation auch vor allem für die Kinder am Zachhiesenhof sein mag, ich kann nicht ganz nachvollziehen, wie Sie in Ihrem Artikel vom Bericht über eine Schule  mit Öffentlichkeitsrecht und sektenhaften Zügen zu dem Aufruf eines Verbots für den häuslichen Unterricht kommen.
Auch in der oben erwähnten ORF-Reportage „Am Schauplatz – Die Kinder vom Zachhiesenhof“ wird diese Forderung gestellt, allerdings mit einer großen Einschränkung: Gefordert wird ein Verbot des häuslichen Unterrichts für Religionsgemeinschaften.
Unsere Tochter lernt seit dem vergangenen Schuljahr zu Hause. Für diese Entscheidung gab es vielschichtige Gründe. Für sie hat das System „Schule“ in ihrer damaligen Situation einfach nicht gepasst und wir mussten einschreiten. Wir haben uns damals nach Alternativen umgesehen und alles versucht, bevor wir den Schritt in den häuslichen Unterricht wagten. Heute können wir sagen, dass es die richtige Entscheidung für unsere Tochter war. Sie hat das letzte Jahr sehr viel aufgeholt und wir haben das Gefühl, sie konnte sich selbst wieder finden. Dazu kam noch ein gutes Zeugnis, das sie anspornte, weiter zu lernen. Nächstes Schuljahr möchte sie von sich aus für die Oberstufe wieder eine Schule besuchen.
In Ihrem Artikel behaupten Sie, es fehle ein Korrektiv, es gebe keinen verpflichtenden Lehrplan. Dies ist eine komplette Fehlinformation. Unsere Tochter muss sich sehr wohl ganz genau an den Lehrplan halten. Im Zuge der Externistenprüfungen (die wahrlich nicht „geschenkt“, sondern hart erarbeitet sind) wird der Lehrstoff des jeweiligen Schuljahres in allen Fächern genauestens abgeprüft.
Auch zu den vielzitierten „sozialen Kompetenzen“ möchte ich Stellung nehmen. Uns wäre es lieber gewesen, unsere Tochter in einem gut funktionierenden, unterstützenden und motivierenden sozialen Gefüge eingebettet zu finden. Leider war dem nicht so. Ich möchte hier die Schuld aber weder auf die vielen sehr bemühten LehrerInnen noch auf ihre damaligen MitschülerInnen schieben. Viel mehr glaube ich, dass es am System hakt, nicht nur am Bildungssystem, sondern auch an unserem derzeitigen Gesellschaftssystem insgesamt, das darauf ausgelegt ist, sich ununterbrochen mit anderen vergleichen und als Einzelner besser (in welcher Art auch immer) sein zu müssen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass auch im Rahmen des Engagements in außerschulischen Interessensgruppen wie Tanz oder Circus und gemeinsamer Lehrausgänge soziales Lernen gut stattfinden kann. 
 Den häuslichen Unterricht so hinzustellen, als seien die Kinder sozusagen eingesperrt und hätten keinen sozialen Kontakt zur Außenwelt hat mit der Realität des normalen häuslichen Unterrichts wenig zu tun. Im Zuge der Externistenprüfungen haben wir auch immer wieder andere SchülerInnen und Eltern getroffen, die aus verschiedensten Gründen den Weg des Homeschoolings eingeschlagen haben. Manche von ihnen wohnen zum Beispiel ganz einfach sehr weit weg von der nächsten Mittelschule.
Auf der anderen Seite stehen Verbände und Schulen, die kein Öffentlichkeitsrecht besitzen. Hier gibt es viele gute (Waldorfschule, Montessorischule) und negative Beispiele. Da Kinder, die in solchen Einrichtungen unterrichtet werden, ebenfalls die Externistenprüfungen ablegen müssen (wie gesagt nach dem aktuellen Lehrplan!), werden auch sie als im häuslichen Unterricht geführt, auch wenn sie eigentlich eine Schule besuchen.
Im Artikel wird auch angeführt, dass die Tendenz zum häuslichen Unterricht steigend ist. Als Grund werden u. a. die das Schwinden des Vertrauens in die Politik und die Schaffung von „Parallelwelten mit paramilitärischen und antisemitischen Zügen“ genannt. Dass einfach mehr und mehr Eltern die Situation in unseren Schulen und die Bildungsmethoden nicht mehr hinnehmen wollen und sich nach Alternativen umsehen, kommt nicht zur Sprache, ist aber wohl der Hauptgrund für diese Entwicklung.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Hausunterricht an sich durchaus eine gute und sinnvolle Alternative für Familien sein kann. Ein Vorschlag wäre, einen eigenen Begriff für Externisten, die in Schulen ohne Öffentlichkeitsrecht unterrichtet werden, einzuführen und diese nicht über einen Kamm mit den wirklichen „Homeschoolern“ zu scheren. Ebenso wäre eine Förderung der erwähnten derzeitigen „ausdrücklich anerkannten alternativen Schulformen“ ein großer Fortschritt, da dann auch finanziell nicht so gut gestellte Familien diese Wahlmöglichkeit hätten.
Ich bin schon neugierig, ob mein Leserbrief abgedruckt wird!

Druckwerkstatt

Wenn es auch manchmal ein bisschen ein Overload ist hier, bin ich doch oft froh, dass sich in Salzburg so vieles um die Kunst dreht.
Lola arbeitet schon an ihrer Mappe für das Fach Bildnerische Erziehung und da flatterte vor einiger Zeit ein Prospekt der ARTgenossen im Künstlerhaus in den Briefkasten. Angeboten wird unter anderem eine Druckwerkstatt, in der man an verschiedenen Terminen in die gängigen Druckverfahren hineinschnuppern kann.

In der ersten Einheit lernten die Kursteilnehmer den Linolschnitt kennen. Leider kam dieser Termin nicht zustande, aber Linolschnitt hatte sie sowieso schon einmal gemacht.
Darauf wurden sie in die Monotypie eingeführt, es entstanden recht interessante Arbeiten.
Dann kam der Gelatinedruck, ein Verfahren, über das ich selbst nachlesen musste. Hier eine Beschreibung. Unter Einbeziehung des Themas ‚Herbst‘ fertigte Lola ästhetisch sehr ansprechende Arbeiten.
Nächstes Mal befassen sich die Teilnehmer mit dem Siebdruck, ich bin schon neugierig, was Lola nach Hause bringt!
Den Abschluss bildet eine offene Druckwerkstatt.

Es ist schön, dass es dieses und viele weitere Angebote bei den ARTgenossen  gibt, die noch dazu wirklich erschwinglich (weil gefördert) sind!

 

 

 

 

Keine Direkte Leistungsvorlage mehr in der Volksschule?

Letztens war ich beim Elternabend von Lolas kleinem Bruder. Er geht dieses Jahr in die 2. Klasse Volksschule und hat eine engagierte Lehrerin, die sehr um jedes einzelne Kind in ihrer Klasse bemüht ist.

Im Elternforum wurde, wie auch schon im ersten Schuljahr, beschlossen, statt eines Zeugnisses eine Direkte Leistungsvorlage zu organisieren, wie wir sie schon von Lolas kleiner Schwester, die die gleiche Schule besucht, kannten.

Das heißt, dass die Kinder in der ersten und zweiten Klasse keine Noten bekommen, sondern zu einem festgesetzten Termin in Kleingruppen an Stationen den Eltern zeigen, was sie im Unterricht gelernt haben (zumindest wurde die DLV an unserer Volksschule so organisiert). Dabei findet auch ein Informationsgespräch mit der Lehrerin statt, wobei das Kind anwesend ist und sich einbringen kann. Unsere Lehrerin hat den Kindern vorher zusätzlich noch einen Bogen mit verschiedenen Schwerpunkten in leicht verständlichem Deutsch gegeben, worauf sie sich selber mit Smileys beurteilen konnten. Daneben zeichnete dann die Lehrerin auch Smileys, wie sie die Sache sieht. Kategorien waren zum Beispiel „Schreiben“, „Rechnen“, „sich mit den anderen vertragen“ etc. Außerdem gab es eine Mappe mit einem Auszug der Arbeiten des Kindes. Mit diesen Materialien hatten wir eine gute Gesprächsbasis und diese Gespräche waren immer sehr positiv und unser Kleiner hat bei der ganzen DLV gerne mitgemacht und uns voller Stolz gezeigt, was er schon alles kann. Auch wir konnten einen sehr guten Eindruck gewinnen und uns gut austauschen.

Für unsere Kinder hatte es den meiner Meinung nach dazu den großen Vorteil, dass es nicht schon in der ersten und zweiten Klasse mit dem Leistungs- und Notendruck losging und dass das „Notenvergleichen“ – wer ist „besser“ – damit noch ein bisschen Zeit hatte. Die Stärken wurden herausgestrichen und unterstützt, auf die Schwächen wurde behutsam und konstruktiv hingewiesen.

Auf dem Zeugnis stand dann einfach „Direkte Leistungsvorlage“.

Nun wurde gestern Abend angekündigt, dass dieser Schulversuch ausläuft und im Rahmen der „Bildungsreform“ nicht mehr weitergeführt wird.

Die Eltern waren durchwegs nicht begeistert von dieser Entscheidung. Es kamen Kommentare wie: „Wir haben uns im Elternforum aber dafür entschieden!“ und „Wer sind diese „Bildungsexperten“ die solche Dinge entscheiden? Sie sollten mal die Eltern und die Lehrer um ihre Meinung fragen!“. Die Lehrerin konnte dazu nur sagen, dass nun diese Entscheidung nicht mehr gültig sei, da es in Zukunft keine DLV mehr geben wird. Was genau kommt, weiß noch niemand. Kann sein, dass es Noten geben wird. Kann sein, dass es ein „KEL“ geben wird (Kinder-Eltern-Lehrer-Gespräch). Wenn man bedenkt, dass sich alle für dieses Jahr auf die DLV eingestellt hatten und auch die Lehrer ihre Vorarbeit dafür geleistet haben, ist es unverständlich, warum die DLV so plötzlich gestrichen wird. Unsere Lehrerin sagte, sie müsse erst einige Seminare und Schulungen über sich ergehen lassen, bevor sie uns Weiteres sagen könne.

Zum Thema „sie sollten doch uns fragen“, da gibt es eine schöne Studie, die auch auf der Seite des Landesschulrats einsehbar ist. Im Folgenden Auszüge aus den Ergebnissen dieser Befragung von Eltern und Lehrern, die durchgeführt wurde, um die DLV zu evaluieren.

Zusammenfassenden kann man hier lesen:

Durch die Arbeit im Schulversuch ergibt sich eine höhere Einbindung der Eltern ins Schulgeschehen, was sich auch durch den Grad der Informiertheit zu den Arbeitsweisen, zur Zielsetzung und zur Klassenarbeit bestätigt. Die Einschätzung, daß ihr Kind genau richtig gefordert wird (mit einemTrend zur Überforderung) , daß eine positive Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes wahrnehmbar und ein angemessenes Tempo bei der Erarbeitung des Lehrstoffes vorhanden sei, ergeben Hinweise, daß einige wesentliche Ziele im Schuleingangsbereich und der Jahresarbeit in der 1. Schulstufe – zumindest in den Augen der Eltern – erreicht wurden.

Wenn auch der Ermutigungs-, Motivations- und Anregungscharakter durch die direkte Leistungsvorlage in nicht so hohem Maße wie die anderen Fragen zum Schulversuch bestätigt wird, sind es doch mehr als zwei Drittel der Eltern, die sich zustimmend äußern.
Besondere Bedeutung kommt aber den verpflichteten Elterngesprächen zu. Die Einschätzung der Eltern zeigt, daß hier die Vertrauensbasis zur Lehrerin gelegt wird, daß das Bescheidwissen der Lehrerin über das Kind wahrgenommen werden kann und durch die Gespräche doch viele Mißverständnisse, Probleme und offene Fragen ausgeräumt werden können. Damit würden diese Gespräche auch den Eltern bessere Möglichkeiten geben, den Lernfortschritt des Kindes genauer einzuschätzen. Die Gesprächshinweise dürften den Eltern vermehrt
Möglichkeiten geben, wie sie ihr Kind beim Lernen und Verhalten unterstützen können. Breite Akzeptanz findet auch die Mitentscheidung und Einbindung der Kinder bei der Auswahl, welche Arbeiten als Leistungsvorlagen dokumentiert werden sollen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Schulversuch vom überwiegendenTeil der Eltern akzeptiert wurde und ebenso die in ihm gesetzten Erwartungen weitgehend erfüllen konnte. Die gemachten Erfahrungen scheinen überwiegend positiv verlaufen zu sein, da sich ein sehr hoher Prozentsatz der Eltern (fast 90 %) wiederum dafür entscheiden würden, ihr Kind in eineVersuchsklasse mit direkter Leistungsvorlage als Beurteilungsform zu geben.

Die gesamte Studie findet sich unter diesem Link unter „Evaluationsberichte“.

Man fragt sich, wozu solche Studien gemacht werden, wenn sie dann offensichtlich bei den Entscheidungsprozessen der „Bildungsreformern“ keine Auswirkungen haben.

Obwohl ich die DLV aus Sicht einer Mutter betrachte, muss ich jedoch auch anführen, dass ich das Engagement und die Mehrarbeit der LehrerInnen sehr geschätzt habe, die doch viel an Organisations- und Inhaltsarbeit leisten mussten, um die Stationen vorzubereiten und die gesamte DLV jedes Semester zu planen. Man könnte meinen, dass so manche Lehrerin froh ist, dies nicht mehr tun zu müssen. Zumindest in unserer Schule hatte ich aber den Eindruck, dass die Lehrerinnen mit so viel Elan und Engagement dabei waren, dass auch sie über diese Neuerung unglücklich sind. Abgesehen davon, dass die Lehrerschaft zusammen mit der Direktorin das ganze System in den letzten Jahren mühevoll aufgebaut und perfektioniert hatte.

Es bleibt zu sehen, was unseren „Bildungsexperten“ als nächstes einfällt. Hoffentlich besinnen sich die Verantwortlichen doch einmal und hören auf, an den wenigen Dingen in unserem Schulsystem, die wirklich etwas bringen, herumzudoktern!

 

 

Biologie-Projekt: Von der Raupe zum Schmetterling

Diesen Sommer haben wir uns alle im Wohnwagen am See erholt und auch mal vom Schul- und Lernalltag abgeschaltet.
Aber Lernen findet ja nicht nur mit Büchern und dem Studieren auf Prüfungen statt – wer sich in meinem Homeschool-Blog ein bisschen umgesehen hat, weiß, dass für uns Lernen etwas Aufregendes, Schönes, Interessantes mit Erfahrungswert darstellt.

Und so haben wir uns für diesen Sommer ein kleines Projekt ausgedacht, dass nicht nur für Lola interessant war, sondern auch ihre kleineren Geschwister und uns Eltern fasziniert hat.
Die Idee stammte aus einer Erinnerung an Lolas Geburtsland in Lateinamerika: Dort konnten wir immer wieder die wunderschönen Raupen und einzigartigen Kokons des Monarchenfalters bewundern. Manchmal bin ich mit den Kindern (eher Lola, die anderen waren noch zu klein), in der Früh stundenlang auf einer Picknickdecke im Garten gesessen und wir haben gewartet, bis sich die ursprünglich grünen Kokons schwarz färbten und endlich der Schmetterling herausschlüpfte. Dieser Falter ist eine Sache für sich, über seine einzigartige Lebensweise könnt ihr zum Beispiel hier mehr nachlesen.

 

Nachdem das alles nun doch schon recht lang her ist und die Kinder älter sind und die Dinge auch mit anderen Augen sehen, habe ich mir überlegt, dieses Wunder der Natur hier noch einmal zu bestaunen.

Im Internet wurde ich kurzerhand fündig und bestellte ein Schmetterlings-Zuchtset von Insect Lore. Die Raupen wurden extra bestellt. Aus ihnen sollten Distelfalter hervorgehen, die in Englisch den hübschen Namen Painted Lady tragen.

Der Versand ging leider nicht so schnell wie erwartet, daher waren die Raupen, als sie am 9. August ankamen, schon dick und fett.

Trotzdem haben sie noch herumgewurlt und kräftig von dem im Behälter mitgelieferten Futter gefressen.

 

Am 10.8. waren schon zwei Raupen nach oben geklettert und hingen in der Form eines J verkehrt herum an der Decke des Behälters. Am Morgen des darauffolgenden Tages hatte sich sogar die erste Raupe verpuppt.
Sie war grüngrau und hatte funkelnde goldene Erhebungen, wie kleine Dornen. Die zweite wurde dauernd von einer anderen Raupe angestuppst, was ihr anscheinend nicht so gefiel… aber am Abend hatte auch sie sich erfolgreich verpuppt. Eine Raupe wollte so gar nicht hinaufklettern. Nachdem sie aufgehört hatte, sich zu bewegen, dachten wir schon, sie sei eingegangen. Aber dann hat sie sich unten am Boden des Bechers verpuppt, mitten im Futter. Am darauffolgenden Samstag, dem 12. August, waren alle Raupen sicher in ihren Kokons verpackt. Unter ihnen lagen kleine Gebilde, die wie Raupenköpfe aussahen, Lola und ihre Geschwister erschraken zunächst, aber wir lasen schnell nach: es war nur die übriggebliebene Haut nach der letzten von insgesamt 4-5 Häutungen.

Eine Raupe schien sehr viel Seidengespinst produziert zu haben, was – wie wir bei Insect Lore nachlesen konnten – zu Problemen beim Schlüpfen führen kann. Außerdem hing dieser Kokon nicht mehr mit dem Hinterteil am Deckel, sonder eher in einer Art Hängematte in seinem Gespinst. Und das Futter um Die Raupe am Becherboden fing an zu schimmeln… Wir machten uns ein bisschen Sorgen um unsere Brut.

Drei Tage nach der Verpuppung sollte man also den Deckel mit Hilfe eines Kartongestells aufrecht mit den Raupen in das Insektenhaus (ein Netz in Form eines Zylinders mit Reißverschluss oben) stellen. Davor sollte man die Puppen vorsichtig mit einem Wattestäbchen von einem Überschuss an Seidenfäden befreien. Wir versuchten das, so gut es ging, aber die Puppe, die halb heruntergefallen war, war sehr eingesponnen und den Puppen schien die Störung sehr unangenehm zu sein – sie zitterten und wanden sich. Also ließen wir es wieder. Der Deckel kam nun ins Insektenhaus, das funktionierte gut.

Die „Schimmelpuppe“ wollte Lola auf ein sauberes Taschentuch legen, aber auch sie wehrte sich derart, dass wir damit doch noch 2 Tage warteten. Danach betteten wir sie in ein kleineres Insektenhaus.

Am 20. August war es soweit: Nach einem furchtbaren Unwetter am Abend zuvor (wir dachten, das Vorzelt würde wegfliegen – was anderen Campern auch tatsächlich passierte!) schlüpfte in der Früh der erste Schmetterling. Wir scharten uns alle aufgeregt um das kleine Insektenhaus, in den wir die Puppe, die sich so gut eingsponnen hatte, gelegt hatten. Und dann sahen wir dem kleinen Kämpfer zu, wie er versuchte, sich herauszuwinden.

Irgendwann sahen wir ein, dass das Ganze viel zu lang dauerte. Schnell nachgegoogelt und vorsichtig betupften wir den Kokon, der noch am Hinterteil klebte, mit einem Pinsel mit Wasser. Danach ließ er sich ganz leicht mit einer sauberen Pinzette herunterziehen. Leider war es für den armen Kerl schon zu spät: Seine Flügel konnten sich nicht mehr entfalten und blieben ganz verknotet. Die Kinder nannten ihr liebevoll „Wuzel“.

Die Aufregung war groß, als ein Anruf aus Salzburg kam: Papa hatte sich bei einem Radunfall zwei Rippen gebrochen. Also wieder ab nach Salzburg. Die Raupen kamen mit, auch Wuzel in seinem kleinen Häuschen.

Der Rest der Schmetterlinge schlüpfte dann ohne Probleme, auch „Moldy“ (der im Schimmel gelegen war) konnte man nicht mehr von seinen Kameraden unterscheiden. 

Wir legten Orangenhälften und ein Wattepad mit Nektar in das Insektenhaus und sahen den Schmetterlingen einen Tag lang zu. Es war sehr interessant, die Schmetterlinge so genau beobachten zu können. Sogar Wuzel krabbelte im Insektenhaus herum und trank Nektar. Der schönste Moment war, als ich am Morgen die Jalousie im Kinderzimmer öffnete und das Sonnenlicht durch das Fenster auf die Schmetterlinge fiel. Alle öffneten gleichzeitig ihre Flügel für ein ausgiebiges Sonnenbad – es war wie eine Art Sonnenaufgang!

Am nächsten Tag ließen wir die Schmetterlinge frei. Jeder (außer Papa) ließ einen Schmetterling auf die Hand krabbeln, hob ihn vorsichtig aus dem Haus und wartete, bis sich das kleine Wunder in die Lüfte erhob und davon flog. Es war ein interessantes, Lehrreiches und faszinierendes Projekt, nicht nur für Lolas Hausunterricht, sonder für die ganze Familie!

 

Wieder zurück aus den Sommerferien!

Der Summa is umma!
Es war ein entspannter, sonniger, aufregender, abwechslungsreicher Sommer!
Nachdem ich mit den Kindern die letzten zwei Monate mehr oder weniger durchgehend im Wohnwagen am See verbracht habe, ist es Zeit, wieder in das Alltagsleben der Stadt zurückzukehren und uns auf das neue Homeschooling-Jahr vorzubereiten.

Damit es im Herbst keinen Stress gibt und ich die Lehrermaterialien für Lola bekommen kann, habe ich die Anzeige auf häuslichen Unterricht bereits Anfang Juli eingereicht. Nachdem der Bescheid im August immer noch nicht bei uns eingelangt war, habe ich mal vorsichtig beim Landesschulrat nachgefragt. Große Enttäuschung: Der Antrag ist irgendwo leigen geblieben oder untergegangen. Dazu muss ich sagen, dass der Landesschulrat über die Ferien wegen Umbaus in einem Ausweichquartier war, wo anscheinend alles etwas drunter und drüber ging. Die Rückübersiedelung hat unser Formular wohl nicht überlebt. Also dann vom See aus nochmal ein Foto des ausgefüllten Formulars geschickt (ich mache immer Scans oder Fotos der Formulare und Anträge, die ich ausfülle – hier hat sich diese Vorsichtsmaßnahme ausgezahlt!) und wieder gewartet. Das Mail landete im Spam Ordner und konnte nicht geöffnet werden. Wieder eine Woche vergangen. Die freundliche Dame vom Landesschulrat versteht, dass es jetzt langsam dringend wird mit der Bestätigung, die ja letztes Jahr erst drei Wochen nach meiner Anzeige ins Haus geflattert ist. Also das Formular noch mal geschickt, wir warten noch…

Soweit zur Bürokratie.

Vom Prüfungslehrer der Externisten für das Fach Deutsch haben wir Ende letzten Schuljahres schon die Stoffliste und die Leseliste bekommen, Lola konnte also schon mit dem Lesen anfangen und ist bei der Hälfte des zweiten von den vier zu lesenden Büchern – ein guter Start!

Auch das Musikbuch bekamen wir im Sommer schon vom Externistenprüfungslehrer. Lola ist fast mit dem Stoff durch und hat sich schon eine gute Zusammenfasssung erarbeitet. Sie wird also versuchen, die Prüfung in Musik als eine der ersten abzulegen.

Heute Abend möchten wir gemeinsam entscheiden, welche Bücher wir dieses Jahr verwenden. Dann geht es an die Jahresplanung und Zeiteinteilung. Ja und dann kann Lola so richtig loslegen! – Also im Moment ist sie ja recht motiviert! 😉

Ich wünsche euch allen noch einen entpannten Ferienausklang und einen super Start ins neue Schuljahr!